3E Content Update in SAP Product Compliance: der Ablauf Schritt für Schritt
Property Tree, Phrasen, Stoff- und Referenzdaten, Expert Rules: Wir erklären die Reihenfolge eines 3E Regulatory-Content-Updates in SAP Product Compliance (ehemals SAP EH&S) — und warum sie über korrekte Einstufungsergebnisse entscheidet.
Regulatorische Anforderungen ändern sich laufend — neue Einstufungen, aktualisierte Gefahrgutregelwerke, zusätzliche Sprachen. Damit Ihr SAP Product Compliance (ehemals SAP EH&S) korrekte Sicherheitsdatenblätter, Einstufungen und Transportdaten liefert, muss der Regulatory Content regelmäßig aktualisiert werden. 3E (Verisk 3E) liefert diesen Content für SAP EHS — von der Eigenschaftsstruktur über Phrasen und Stoffdaten bis zu Einstufungsregeln und SDS-Vorlagen.
Ein 3E Content Update ist kein einzelner Knopfdruck, sondern eine Abfolge aufeinander aufbauender Schritte. Dieser Beitrag erklärt die Reihenfolge — und warum sie entscheidend ist.
Warum die Reihenfolge zählt
Die Inhaltsbausteine bauen technisch aufeinander auf: Stoffdaten und Einstufungsregeln nutzen Eigenschaften und Merkmale aus dem Property Tree und referenzieren Phrasen. Wird ein Baustein in der falschen Reihenfolge eingespielt — oder werden die neuesten Phrasen nicht vor den Daten geladen — entstehen unvollständige oder schlicht falsche Ergebnisse.
Faustregel: erst die Struktur, dann die Sprache, dann die Daten, dann die Regeln, zuletzt die Vorlagen. Wer die neuesten Expert Rules auf alten Daten laufen lässt, riskiert fehlerhafte Einstufungen.
Schritt 0: Vorbereitung
Vor dem ersten Transport:
- Die mitgelieferte Dokumentation und die ReadMe jedes Pakets lesen.
- Den EHS-/SAP-Releasestand prüfen und erforderliche SAP-Hinweise einspielen.
- Alle Transporte der Lieferung sammeln und die vorgegebene Installationsreihenfolge sowie die Voraussetzungen beachten — ältere Pakete müssen vor neueren liegen.
Ein wichtiger Punkt: Manuell veränderte Standard-Klassen, -Merkmale oder -Bemessungsarten werden durch die Transporte überschrieben. Solche Objekte sollten Sie vorab sichern.
Schritt 1: Property Tree
Der Property Tree liefert die Klassen, Merkmale und Bemessungsarten — die Eigenschaftsstruktur, auf der alles Weitere aufsetzt:
- Transportdateien auf den SAP-Applikationsserver hochladen (Co-Files und Datendateien).
- Die Transportaufträge importieren — in der vorgegebenen Reihenfolge.
- Auf jedem EHS-System nacharbeiten: Phrasen-Sets zuordnen, WWI-Symbole für die Reports generieren, tabellenbasierte Bemessungen einrichten und Copy-/Vererbungs-Templates prüfen und erweitern.
Schritt 2: Mehrsprachige Phrasenbibliothek
Die Multilingual Phrase Library (früher CED-Katalog) umfasst über 16.000 Phrasen in rund 45 Sprachen — die Textbausteine Ihrer Sicherheitsdatenblätter:
- Passive Phrasenkataloge anlegen.
- Importdateien hochladen und in EHS laden.
- Phrasen importieren, anschließend zusammenführen (merge).
- Phrase-Set-Zuordnungen importieren.
- Platzhalter-Phrasen behandeln und — falls nötig — kundenspezifische Phrasengruppen ergänzen.
Wichtig: Eigene Grafik-Zuordnungen (Bitmaps) sowie Felder wie der Phrasencode werden durch ein Update überschrieben. Kundenspezifische Anpassungen müssen daher bewusst nachgezogen werden.
Schritt 3: Stoff- und Referenzdaten (OCC)
Stoff- und Referenzdaten kommen über den SAP EHS Open Content Connector (OCC) ins System — getrennt für Product Safety (Einstufung & Kennzeichnung, Arbeitsplatzgrenzwerte, Inventarlisten, nationale Regelwerke) und Dangerous Goods (ADR, RID, IMDG, IATA/ICAO und viele weitere). Werden beide genutzt, durchläuft man die Schritte je Paket separat.
Technischer Teil:
- OCC installieren bzw. auf den aktuellen Stand bringen.
- SAP-EHS-Customizing einrichten.
- Mehrsprachige Phrasen importieren — Voraussetzung für das korrekte Laden der Daten.
- Stofflisten-/Referenzdatenbank und Mapping-Datenbank installieren, Zusatztools einrichten.
Regulatorischer Teil:
- Filtereinstellungen prüfen und die mitgelieferten Werkzeuge (z. B. Analyse- und Abnahme-Reports) nutzen.
Schritt 4: Expert Rules
Die Expert Rules ermitteln Sekundärdaten — die eigentliche Stoff- und Gemisch-Einstufung nach den Regelwerken verschiedener Jurisdiktionen. Sie laufen auf einem separaten EHS-Expert-Server:
- EHS Expert auf einem eigenen Server installieren (getrennte Server für Test und Produktion empfohlen).
- RFC-Verbindung zum EHS-System einrichten und testen.
- EHS Expert konfigurieren.
- Im SAP-EHS-Customizing die je Regelwerk nötigen Objekte anlegen — etwa User Exits und Data Origins, bei Bedarf zusätzliche Value Assignment Ratings oder eigene Textkategorien.
- Die Regelwerke (kompilierte Regeldateien und Content-Datenbanken) auf dem Expert-Server bereitstellen.
Auch hier gilt: zuerst die neuesten Phrasen und Stoffdaten laden — sonst liefern die Regeln falsche Ergebnisse.
Schritt 5: SDS-/SDB-Report-Templates (WWI)
Den Abschluss der Inhaltskette bilden die Report-Templates für das eigentliche Sicherheitsdatenblatt. 3E liefert WWI-Vorlagen für über 100 Länder, gruppiert nach Regionen bzw. ähnlichen Rechtsräumen (z. B. EU, Nordamerika/GHS, APJ, Lateinamerika, CIS). Jede Hauptvorlage besteht aus mehreren Teil-Templates („includes”), um Anzahl und Größe der einzelnen Vorlagen klein zu halten.
Wichtig: Es handelt sich um Standard-Vorlagen. Sie bilden den regulatorischen Rahmen ab, müssen aber an die Bedürfnisse des Kunden angepasst werden — etwa Firmenlogo, Unternehmensangaben in Abschnitt 1 des Sicherheitsdatenblatts sowie weitere kundenspezifische Inhalte und Layout-Vorgaben.
Voraussetzungen: zusätzliches Customizing (Kennzeichnungslisten und Generierungsvarianten), gegebenenfalls SAP-Hinweise — und die benötigten Grafiken (GHS-Piktogramme, UN-Gefahrgut-Labels) müssen in den GRAPHICS-Ordner aller WWI-Server und relevanten Front-Ends kopiert werden.
Der Ablauf:
- Transportaufträge importieren.
- Kennzeichnungslisten (identification listings) einrichten.
- Vorlagendateien hochladen.
- Report-Templates importieren.
- Generierungsvariante anlegen.
Da die Templates Eigenschaften, Phrasen und die berechneten Einstufungsdaten zusammenführen, stehen sie am Ende der Kette — erst danach lässt sich ein vollständiges Sicherheitsdatenblatt generieren.
Schritt 6: Prüfen
Zum Abschluss steht die Verifikation anhand der mitgelieferten Checklisten — je Bereich (Property Tree, Phrasenbibliothek, Stoff- und Referenzdaten, SDS-Templates) sowie spezifisch für Product Safety und Dangerous Goods (für SAP EHS und SAP Transportation Management). Erst wenn diese Prüfungen sauber durchlaufen, ist das Update für den produktiven Einsatz freigegeben.
Fazit
Ein 3E Content Update folgt einer klaren Logik: Struktur → Sprache → Daten → Regeln → Vorlagen → Prüfung. Jeder Schritt hat Voraussetzungen, und die Reihenfolge entscheidet über die Datenqualität im produktiven System.
Genau diese Updates begleiten wir als Teil unseres Regulatory-Content-Services — von der Lieferung bis ins lebende System. Wenn Sie Ihr nächstes 3E-Update planen oder unsicher sind, ob Ihr Content aktuell ist: Sprechen Sie uns an.