SAP ECC Wartungsende 2027: Was das für SAP Product Compliance bedeutet
Ende 2027 endet die Standardwartung für SAP ECC. Wir ordnen ein, was das für Ihre Product-Compliance-Lösung heißt — und warum auch das Classic Scenario auf S/4HANA ein Ablaufdatum hat.
Für die meisten SAP-Kunden ist 2027 das Jahr, auf das die S/4HANA-Planung hinausläuft. Für Product Compliance — ehemals SAP EH&S — gibt es dabei einen zweiten Termin, der oft übersehen wird: Auch auf S/4HANA hat die klassische Lösung inzwischen ein geplantes Ende. Hier die Einordnung.
Die Termine im Überblick
| Termin | Was passiert |
|---|---|
| 31.12.2027 | Ende der Standardwartung für SAP ECC (EHP 6–8) |
| S/4HANA 2029 | Letztes Release, in dem Classic ohne Einschränkung nutzbar ist |
| 31.12.2030 | Ende der optionalen verlängerten Wartung für SAP ECC |
| S/4HANA 2031 | Classic-Funktionen planmäßig abgeschaltet |
| 31.12.2036 | Ende für Phrasenverwaltung und Gefahrgutstamm (Classic) |
Die Termine für SAP ECC
SAP hat die Wartung für SAP ECC 6.0 (SAP Business Suite 7) gestaffelt:
- Standardwartung bis 31.12.2027 — gilt für die Erweiterungspakete EHP 6 bis 8.
- Optionale verlängerte Wartung bis 31.12.2030 — gegen einen Aufschlag von zwei Prozentpunkten auf die Wartungsbasis.
- Danach kundenspezifische Wartung — ohne neue Support Packages und ohne Anpassungen an neue gesetzliche Anforderungen.
Für ältere Stände (EHP 0 bis 5) ist die Standardwartung bereits Ende 2025 ausgelaufen.
Zusätzlich bietet SAP die „SAP ERP, private edition, transition option“ an: ein Cloud-Abonnement, mit dem sich ECC-Systeme bis Ende 2033 betreiben lassen. Voraussetzung ist der Umzug in die SAP ERP, private edition — eine Verlängerung der On-Premise-Wartung ist das ausdrücklich nicht.
Wichtig: Wartungsende heißt nicht Nutzungsende. Ihr ECC-System läuft nach 2027 weiter. Was wegfällt, ist die laufende Versorgung mit Korrekturen — und für Product Compliance wiegt das besonders schwer, weil sich Regelwerke, Sicherheitsdatenblatt-Vorgaben und Gefahrgutvorschriften ständig ändern.
Classic auf S/4HANA: weiter nutzbar, aber mit Ablaufdatum
Die klassische Lösung — Spezifikationsdatenbank, Sicherheitsdatenblätter mit WWI und SDB-Versand, Gefahrgut, Substance Volume Tracking, Global Label Management — läuft auch auf S/4HANA und lässt sich bei einer Conversion mitnehmen.
Seit S/4HANA 2025 gilt dafür aber ein klarer Fahrplan (SAP Note 3656482):
- SAP hat die gesamte Classic-Funktionalität für Product Compliance mit S/4HANA 2025 als „deprecated“ markiert.
- In den Releases 2025, 2027 und 2029 bleibt sie ohne Einschränkung nutzbar.
- Mit S/4HANA 2031 sollen die Classic-Funktionen abgeschaltet werden.
- Ausnahme: Phrasenverwaltung und Gefahrgutstamm-Pflege laufen bis 31.12.2036 — release-unabhängig.
SAP empfiehlt, spätestens vor dem Upgrade auf S/4HANA 2031 auf die neue Funktionalität umzusteigen. Wer heute von ECC auf S/4HANA konvertiert und das Classic Scenario mitnimmt, entscheidet sich also für einen Weg mit absehbarem Ende — der aber noch einige Jahre trägt.
Ein zweiter Punkt, den Sie früh klären sollten: die Lizenz. Die Nutzung der Classic-Funktionen in S/4HANA ist nicht automatisch durch die S/4HANA-Lizenz abgedeckt. Klären Sie mit SAP oder Ihrem Lizenzberater, auf welcher Grundlage Sie die Lösung nach der Conversion betreiben.
Was bei der Conversion konkret anfällt
Product Compliance ist bei einer S/4HANA-Conversion selten das größte Arbeitspaket — aber eines mit vielen Abhängigkeiten. Typische Punkte:
- Simplification Items prüfen — welche Einträge der Simplification List betreffen Ihre Product-Compliance-Prozesse? Der SAP Readiness Check liefert dafür einen ersten Überblick.
- Eigenentwicklungen sichten — User Exits, BAdIs und eigene Programme müssen gegen S/4HANA geprüft und gegebenenfalls angepasst werden.
- WWI-Templates und Server — Berichtserstellung, Expert- und WWI-Server sowie die Generierung von Sicherheitsdatenblättern und Labels Ende-zu-Ende testen.
- SDB-Versand — prüfen, ob Versandaufträge, Empfänger und Ausgabekanäle nach der Conversion wie gewohnt laufen.
- Integration in die Logistik — ändern sich mit der Conversion auch Prozesse in SD, EWM oder TM, ändert sich der Integrationspunkt für die Gefahrgutprüfung mit.
- Regulatory Content — Content-Pakete (z. B. von Verisk 3E) und deren Update-Zyklus im neuen System absichern.
Classic oder New Scenario?
Mit dem Fahrplan für Classic wird die Frage nach dem New Scenario — von SAP als „SAP S/4HANA for product compliance“ mit neuer Funktionalität positioniert — dringlicher. Die neue Lösung ist Fiori-basiert, hat ein eigenes Datenmodell und wurde seit S/4HANA 1809 schrittweise ausgebaut.
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Entscheidend ist, ob die neue Funktionalität Ihre Anforderungen heute schon abdeckt, wie viel Eigenentwicklung in Ihrer Classic-Lösung steckt — und wann ein Umstieg in Ihre Release-Planung passt. Mehr zu den Unterschieden finden Sie in unserer Gegenüberstellung der Szenarien und im Glossar.
Unser Kerngebiet ist das Classic Scenario auf ECC und S/4HANA. Beim New Scenario helfen wir Ihnen einzuordnen, ob und wann sich ein Umstieg für Sie lohnt.
Fünf Fragen vor dem Umstieg
- Auf welchem Erweiterungspaket läuft Ihr ECC — und welche Wartung gilt damit für Sie?
- Welche Classic-Funktionen nutzen Sie produktiv: Sicherheitsdatenblätter, Gefahrgut, SVT, Labels?
- Wie viel Eigenentwicklung steckt in Ihrer Lösung — User Exits, BAdIs, WWI-Templates?
- Auf welcher Lizenzgrundlage betreiben Sie Classic nach der Conversion — und bis zu welchem S/4HANA-Release planen Sie damit?
- Deckt die neue Funktionalität Ihre Anforderungen schon ab — und wann wäre der richtige Zeitpunkt für einen Umstieg?
Wenn Sie diese Fragen für Ihre Landschaft durchgehen möchten: In einem kostenlosen 30-minütigen Erstgespräch mit einem Senior-Berater geben wir Ihnen eine erste Einschätzung.
Stand: Oktober 2026. Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Lizenz- oder Vertragsberatung. Maßgeblich sind die aktuellen SAP-Hinweise (u. a. SAP Note 3656482 und 3015382), die Wartungsstrategie von SAP und Ihre individuellen Verträge.